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          Wir brauchen ein Segelboot.

          Ja, wir haben uns wohl gefühlt. Der Sommer war super „bis auf wenige Regentage die wir verschwiegen“,

          wenn nach unserem  Wetter in Holland gefragt wurde.

          „Wo wir sind, scheint immer die Sonne“, pflegte Bärbel zusagen. Langeweile kannten wir nicht.

          Landschaftliche Erkundungs-Fahrten mit dem Fahrrad zu den schönsten Plätzen und Sehenswürdigkeiten

          wurden erweitert.

          Irgendwann einmal, während einer Rast, Butterbrote und Thermoskanne ausladend  auf eine Bank platziert,

          beneideten wir die vorbeiziehenden „Kapitäne“, wir sie damals noch nannten.

          Oder die Reichen die sich solch ein Boot leisten können.

          Schau mal, „säuselte Bärbel“ sie bringt Ihm dampfenden Kaffee mit Kuchen in die Pflicht.

          Die fahren dabei einfach weiter.

          Haben ihr Zuhause  immer dabei und nicht noch diesen elend langen Rückweg vor der Brust.

          Und wenn es regnet legt sie sich mit einem Buch in die Koje oder löst Kreuzworträtsel „pflichtete ich ihr bei“.

          „Unsportlich und teuer“ wurde das zaghaft wachsende Pflänzchen  „gaaanz kleines Segel- Boot“

          platt getreten. "Die schon austretenden Ableger wurden glatt übersehen". Segeln war nicht so recht mein Ding.

          Sicher, wir hatten ausreichend Gelegenheit in diesen Sport hinein zu schnuppern. Bruderherz und Fliegerkollege

          Horst versuchten uns das segeln schmackhaft zu machen.

 

          Im Herbst aber, blühte schon ein gewaltiger Strauch, mit Ablegern nach Ebay und zu den verschiedenen

          Bootsbörsen. Nur damit du nicht immer nur Fahrrad fahren musst sagte Bärbel und war wie ich

          von der Vielfalt der Angebote überrascht.

          Es war auch der Monat November mit seinen vielen dunklen Tagen, den eigentlich keiner von uns braucht.

          Neptun und Varianta: Bootstypen die uns ganze Tage beschäftigten, gaben diesen besagten Monat

          ein leuchtendes Aussehen.

          Ich war Unterwegs. Nicht nur im Internet auch real Boote begucken.

          Die Preisvorstellungen der meisten Verkäufer dämpften meine Erwartungshaltung.

          Was willst du denn mit einer Varianta ? fragte ein Bootssachverständiger bei dem wir mit Horst Epoxi Harz

          für die Reparatur seiner Mira orderten. "Nimm eine Victoire", schicker Kleinkreuzer,

          kannst damit viel höher am Wind segeln, ist auch für Küstengewässer ideal.

          Natürlich hatte er die Entsprechende überarbeitet, schmuck aussehend gerade in seiner Halle stehen.

          „Kleinkreuzer“, nicht einfach Boot oder Varianta und Neptun, nein Kleinkreuzer plazierte sich in meinen

          Windungen unter der Schädeldecke.

 

          Ich habe zu der Zeit viel  gelesen, "alles über Kleinkreuzer", über „Hoch am Wind“,

          vor allem auch über das Alter der gebrauchten „Kleinkreuzer“ und deren Preise.

          Ich kann die Preisvorstellungen der meisten Eigner Heute sogar verstehen.

          Ein Boot verkauft man nicht einfach so… Man gibt etwas ab, etwas von sich. Das ist wie eine Amputation.

          Dem Verkäufer, dem Eigner fehlt danach etwas, Phantomschmerz  ist anschließend die Regel.          

          Rücksichtslos suchte ich  weiter, immer mit dem Bild  „Kleinkreuzer“ des  Bootssachverständigen im Kopf.

          Dessen Boote sollten verkauft werden.  Ich suchte nun nach einer Victoire 22: „deren Größe war auch schon

          beschlossen“, die abgegeben und nicht so einfach verkauft wird.

 

          Unweit von Castrop-Rauxel,  wurden wir fündig.  Unter einer Winterplane geschützt auf den entsprechenden

          Hänger  stand unsere Victoire. Beim an lupfen  der Plane wusste ich „das ist unsere“. Als Fachsachverstängiger,

          “denn ich hatte keine Ahnung von Segelbooten“ war Fliegerkollege Horst mit  dabei.

          Das Boot war auf der Ostsee unterwegs.  

          “Er“ hatte noch so viel vor: “leider hat der große Skipper “Ihn“ vorher abgemustert“  sagte sie.

          Nun solle es weg. Das Boot haben sich schon einige andere Interessenten  angesehen aber nicht gekauft.

          Zu viert saßen wir im Boot. Hier musste aber wirklich alles erneuert werden.

          Der große Skipper hätte „Ihn“ doch noch etwas schaffen lassen sollen war unsere Meinung. Draußen Hui, innen

          Pfui. Muss ich ja nur noch vervollständigen, -dachte ich-, wohl gemerkt, nur für mich allein.

          Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Horst sagte auch, gib lieber einen Euro mehr aus.

          Etwas Besseres solle es doch schon sein.

 

          Er kannte meinen Ehrgeiz noch nicht. Wir melden uns: „dass wir uns wiedersehen wusste ich nur allein“ waren

          gesprochene Worte die „Sie“, als „das war`s dann wohl“ interpretieren musste.

          Wir rufen auf jeden Fall an.

          Ich weiß nicht, ich weiß nicht, sagte auch Bärbel zu Hause angekommen, zu mir.

          Der November sollte seine gute Seite nun zeigen. Nach einigem Nachdenken gab sie mir den noch benötigten

          Anstoß zum Telefon zu greifen.

 

          Wir übernehmen das Boot mit Hänger und Motor, sofern der Preis für beide Seiten akzeptabel sei.

          Natürlich wurde auf beiden Seiten etwas gefeilscht.

          Am Sonntag waren wir Eigner der Stella. Der Name am Schiffchen ist derselbe  geblieben.

          Dann hat „Er“ oben auch noch etwas davon und vielleicht passt er noch etwas auf „sein“ Schiffchen auf.

          Zumindest die Besatzung benötigt ab und an mal den einen oder anderen guten Tipp.

          Wir sind doch noch Anfänger aber stolzer Besitzer eines Kleinkreuzers.

          Segeljacht hört sich aber auch gut an.  Gegen Neptun und Variantas haben wir nichts.  

          In naher Zukunft wird auch mir in der Pflicht dampfender Kaffee mit Kuchen serviert. Wenn es dann einmal

          regnet liegt Bärbel unten in der Koje und liest - oder löst Kreuzworträtsel.

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