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Dienstag 14.05.2019 Wind Südost 3 Bft.   „Auf nach Texel“

 

Wir haben keine Genua, keinen Gennaker und auch keinen Spinnaker. Der heutige Törn hätte uns daher auch übers Ijsselmeer führen können.

Bei diesem Südost der noch schwächer werden sollte wäre das aber eben doof.

Ja, ne Genua 1, könnten wir gebrauchen, Die Genua überlappt im Gegensatz zur Fock den Mast, das heißt, das Schothorn befindet sich hinter dem Mast.

Bei vielen Segelboottypen ist die Segelfläche der Genua größer als die des Großsegels. Wir arbeiten dran, mal schauen.

Binnen über Sloten und Woudsend werden wir heute in Stavoren festmachen.

Die leckeren Sattmacher, Kibbeling mit Pommes konsumieren, dann nur noch wenige Schritte zur Corina gehen, den Absacker genießen und um 21 Uhr müde in die Koje krabbeln.

       

 

Das alles für 11 Euro sechzig. Die Liegeplätze in Stavoren sind in den letzten Jahren modernisiert worden. Es ist einfach schön hier.


 

Mittwoch der 15.05.2019 Blauer Himmel Wind NO 1-2 Bft

Nur noch fünf Minuten murmelte Bärbel als ihr Skipper sie gegen 6 Uhr in der Früh wachküsste.

„Den Oever hat gerade angerufen“. Wenn wir mit der Tide mitgenommen werden wollen, sollten wir gleich losfahren bezauberte ich sie hemmungslos in der Aufwachphase.

Boah ey, Sie geht duschen und sich schönmachen, Frühstück kannst du nun selber machen. “Und vergiss nicht die Eier“. Das Gelbe soll nicht ganz fest sein.

Ich hatte wieder die Arschkarte.

Aber: wenn du um 8 Uhr 15 mit dem Boot auf dem Ijsselmeer stehst, vorher an der gerade geöffneten Tanke 17 Liter GTL gebunkert hast und als erster in der alten Schleuse einlaufen konntest: „dann hast du dir eigentlich den vierten Balken oben im Schulterstück verdient“. 

Nicht zu vergessen auch die gefüllte Thermoskanne mit den “Himmlischen von Mövenpick“ für 3 Euro sechsundvierzig bei Jumbo in Lemmer.

Zum zweiten Frühstück auf See brauchte Sie nur noch die Brote zu schmieren.

Das klappte hervorragend bei dem gerade eingeschlafenen Wind. „Leicht diesig aber manchmal konnte man ihn erkennen“, den Sendemast bei Wieringermeer in der Karte kurz mit - R Lts bezeichnet.

Dieses Geländemerkmal war unsere Auffanglinie auf dem Weg nach Den Oever.

Die Corina ist ein Segelboot. Uns ist es mittlerweile egal, wenn der Wind mal wieder nicht so will wie wir es gerne hätten. Der Nanni, also unser Kumpel unten im Bauch der Corina lässt sich da nicht lumpen. Wenn er gebraucht wird ist er da. So tuckerten wir immer schön auf diesem R Lts zu.

Es war teilweise eine schwer zu beschreibende Schaukelei, das Ijsselmeer schreibt seine eigenen Gesetze. Kein Wind aber Wellen.

Um 10 Uhr 15 standen wir vor der Stevinsluizen in Den Oever.

Vielleicht nur wenige Minuten zu spät. Wir und ein holländischer Segler wurden nicht mehr mitgenommen. Nach 20 Minuten Wartezeit, zwei weitere Boote gesellten sich zu uns, wurden die Tore auch für uns geöffnet.

Bei Schiffsdurchfahrten an den Schleusen müssen die Drehbrücken oben über uns geöffnet werden und der gesamte Autoverkehr auf dem Damm wird durch Schranken unterbrochen. Um zu verhindern, dass Salzwasser ins IJsselmeer eindringt, wird ein Schleier aus Luftblasen in der Schleusenkammer eingebracht.

Die Corina stand also wieder im Salzwasser. Es ist navigatorisch ganz einfach anschließend nach Texel zu kommen. Immer den Tönnchen nach. Diese liegen später extrem weit auseinander und sind oftmals nur durch Glas einwandfrei auszumachen. Zumal der Kurs irregulär mehr nach den Helder führt ist es für den Anfänger leicht verwirrend.


Mit teilweise 7 Knoten motorten wir bei 0 Wind Oudeschiltd entgegen. Bei normalen Wetterbedingungen ist Oudeschild auf Texel auf fast allen Wegen gut und sicher zu erreichen.

Beachten sollte man aber den Texelstrom der gut und gerne eine Strömung von bis zu 4 Knoten erreichen kann. Nach ca. 12 Seemeilen erreichten wir um 13 Uhr 30 den Waddenhaven Oudeschild.

 Wir waren sozusagen wieder zu Hause. Zu Hause, weil wir hier 4 Wochen bleiben wollten.

Um 14 Uhr lag die Corina fest. Das Anlegebier mit dem Genever schmeckte.

Im Angebot: Oudeschild

Dieses an der Küste des Wattenmeeres gelegene Dorf stellt ein maritimes Ganzes dar. Alles dreht sich hier um lebhafte Häfen und vor allem dann, wenn die Fischerflotte freitags zurückkehrt.

Aber auch an anderen Tagen herrscht reger Betrieb im Yachthafen und auf dem Kai, wo Tickets für Reisen auf Kuttern, für das Angeln auf offener See sowie andere spannende abenteuerliche Aktivitäten erworben werden können. Auch auf den Terrassen rund um den Haven ist es selten still.

„Wir sind hier auf Kur, 258 Euro für 4 Wochen Texel“, solehaltige Luft ist im Preis inbegriffen. Dazu Toilettenanlagen, Duschen und Strom inclusive. Brötchen holen dauerte nur wenige Minuten. Der kleine Shop oben am Haven versorgte uns mit dem nötigsten. Für den größeren Einkauf hatten wir uns zwei Klappräder zugelegt.   

Am 16. 05. Nutzten wir diese Räder erstmalig. Das Aufbauen und die Einstellungen waren relativ einfach. Wir hatten die Werksvoreinstellungen zur Sicherheit noch von einem Händler in Castrop-Rauxel prüfen lassen. Es funktionierte alles reibungslos. Also auf, um mal eben Oudeschild zu erkunden.

Haben Segelboote auch ein Fernsehgerät am Bord?

Irgendwie unpassend aber nichtsdestotrotz baute ich unseren „Radarreflektor“ auf und die Rosenheimer Cops waren mit an Bord. „Unsere Kurschatten sozusagen“. Am selben Abend drehte der Wind auf NO und pustete mit 6 Bft übers Watt. Es wurde super gemütlich auf der Corina,- „trotz a Leich im Schrebergarten von Rosenheim“.


 

Wir wollten unsere Geburtstage auf Texel feiern. Der Skipper Geburtstag war am nächsten Tag. Bärbel hatte wie immer vorgeplant und verzauberte ihren Göttergatten mit kleinen Überraschungen. Sie liebt es, anderen Geschenke zu machen und Überraschungen vorzubereiten.

Ihr Skipper ist in Bezug auf Geburtstage ein echter Grinch. Verspricht aber, weil er weiß wie verletzend es sein kann, sich zu bessern.

Wir leben schon über 20 Jahre zusammen. Für mich ist jeder Tag wie ein Geburtstag. 

Heute geht es mit unseren Falträdern erst einmal nach Den Burg zu Einkaufen. Wir waren recht flott unterwegs und hatten den Texelwind auf unserer Seite.

An sonnigen Tagen hat dieses sonst etwas schläfrige Städtchen eine fast mediterrane Ausstrahlung.

Auf den Plätzen und in den in Form eines Ringes angelegten Straßen herrscht ziemlicher Rummel und es ziehen ganze Touristenscharen entlang zahlreicher Läden und Cafés.  Den Burg ist der perfekte Ort um zu shoppen und Menschen von einer Sommerterrasse zu beobachten. Muss aber nicht immer mit Grolsch und Genever sein. Mit Cappuccino geht‘s auch.

Der Rückweg führte zwangsläufig bei Veronica vorbei. Veronica hat aufgerüstet - aus einer früheren Frittenbude ist ein schönes Schnell-imbiss-Lokal geworden. Das Lokal verfügt sowohl über einen Innenraum als auch eine großzügige Terrasse. Bestellt wird an der Theke, man bekommt einen Sender mit an den Tisch und wenn das Gericht fertig ist, dann brummt der Sender. Zudem ist der Blick von der Terrasse auf den Hafen unschlagbar schön.


Geburtstage machen auch müde. Auf der Corina genossen wir den Abend. Die herrschenden Temperaturen waren leider noch nicht wie wir sie uns wünschten. Unsere kleine Heizung sorgte für angenehme Temperaturen.

Mit den Falt-Rädern wurde unser Radius erheblich erweitert. So ging es auch am 18.05.2019 wieder auf Tour um die nähere Umgebung zu erkunden. Am Abend bummelte wir, um unser „Fahrgestell“ nicht zu vernachlässigen zum kleinen Strand am Ende des Waddenhaven.

Hier trafen wir auf einem Bekannten aus dem Segelforum. Klaus 13 war mit seinem Hund unterwegs. Die beiden waren schon etwas länger auf Tour mit dem Ziel, ohne Stress in naher Zukunft die Ostsee zu erreichen. Wollten aber alle Inseln an der Küste mitnehmen, also ausgedehntes Gassi gehen inclusive. Dabei aber Land und Leute kennenlernen.

Der 19.05.2019 wieder sonnig und zu kühl für diese Jahreszeit.

Es war ausgeschildert, Durchfahrt nicht gestattet. Das gilt sicher nicht für Fußgänger, und unsere Klappräder sind doch eh` keine richtigen Fahrzeuge „wollten wir sagen: wenn wir verscheucht werden sollten, oben vom Deich“. Es war Sonntag, die Sonne scheint. Der neue Weg war eigentlich abgesperrt „oben“. Man konnte aber so schön drum herumgehen, um die Absperrung der Baustelle.

Das machst du nicht noch einmal mit mir, beschwerte sich meine Göttergattin, diesmal zu Recht.

Und wie gesagt: es war Sonntag. Da arbeitet kein Mensch. Frisch gegossene Betonplatten, soweit das Auge reicht. Rechts und links frisch gesteckter Strandhafer. Links bis zum Wasser aufgeschütteter Sand. Texel soll schöner werden. Es roch schon nach Baustelle.

Wir waren nicht allein unterwegs. Zwei fremde Klappräder fuhren einige 100 Meter vor uns. Wenn dieser Weg bis ‘t Horntje führt, haben wir eine schöne Tour gemacht.

Zwei Fußgänger mit Hund waren ebenfalls auf diesem sozusagen verbotenen Gestade unterwegs. Klaus 13 mit seinem Hund und einen weiterer Bekannter aus dem Segelforum.

Drüben geht es nicht weiter, sagten sie uns, irgendein Deichdurchbruch würde dort gebaut und die Spundbohlen versperren den Durchgang. Es war brutal, wir sind über 100 Meter den Deich herunter gestolpert und hinter dem Durchbruch wieder hinaufgeklettert.

Es war trotzdem Interessant auf diesen neuen Weg weiter ins Ungewisse zu radeln. Er wir irgendwann freigegeben und wir waren sozusagen die Erstbefahrer.

Der Wattenmeer Deich wird erhöht und die außer Deichs gelegenen Radwege werden modernisiert. Die Ostseite von Texel wird zukunftssicher gemacht.

So um die 8 Kilometer waren wir unterwegs bis wir ’t Horntje das kleine Fischerdorf mit vielleicht 80 Einwohnern erreicht hatten. 't Horntje hat eine große Bedeutung für den täglichen Fährbetrieb von Den Helder zum Hauptfährhafen von Texel.

Hier am Fähranleger hält sich keiner von den vielen Texelbesuchern länger als nötig auf und doch ist es hier sehr schön, wenn man den Fährbetrieb übersieht. 'De Mokbaai' ist eine Bucht hier im Süden von Texel, zwischen dem Naturgebiet 'De Hors' und dem Dorf 't Horntje', nahe des Fährhafens TESO.

Das Gebiet besteht zu einem großen Teil aus Deichvorland und läuft bei Niedrigwasser fast immer leer. Weil an der anderen Seite des Deiches diverse Vogelreservate liegen, ist 'De Mokbaai' ein beliebtes Futtergebiet für Vögel.  An 'de Mokbaai' liegt ein Militärisches Übungsgebiet.

 

Aber auch die einzige Frittenbude im weiteren Umkreis. Bei uns meldete sich der kleine Hunger. Erst einmal stärken mit Pommes und Cappuccino, viel mehr war nicht zu bekommen, deren Feierabend war angesagt. Pippi machen durften wir noch und dann unsere eigenen Naschereien oben auf der Bank verzehren.

Der Heimweg führte uns dann Binnen über die Straße vor dem Deich zurück nach Oudeschild.  Aus dem kleinen Hunger ist nun richtiges Magenknurren geworden. Veronica lag am Weg. Mit Kibbeling, Pommes und 2 Bier überlebten wir die restliche Strecke bis zu Corina.

Die Abende war waren noch relativ kalt, mit unserer Heizung war es richtig mukkelig auf dem Boot.  Der Waddenhaven war zu dieser Jahreszeit noch nicht sehr stark belegt. Unsere Planung hier 4 Wochen zu bleiben wurde mehrmals in Frage gestellt.

Die Tage waren zwar sonnig aber kühl. Ohne warme Kleidung hätten unsere Radtouren mit Sicherheit viel weniger Spaß gemacht. Es war manchmal richtig unangenehm, so dass wir mehr Zeit auf der Corina verbrachten als unterwegs zu sein.

Wir beschlossen am Mittwoch den 22.05.2019 unsere Abreise für den kommenden Tag, gegen 7 Uhr in der Früh sollte es losgehen.  Im Havenbüro bekamen wir 130 Euro zurückerstattet. Das Wetter bzw. der Wind spielte halbwegs mit.

Am Donnerstag den 23.05. pustete er nur noch mit 4 bis 5 Bft aus Süd bis Südwest über die Insel. Wir sind beide schon sehr früh wach geworden und um 5 Uhr 30 aus den Kojen geklettert. Die Leinen sollten ja um 7 Uhr gelöst werden. Das Frühstück war sehr dürftig, dafür schmierten wir Brote für unterwegs und füllten unsere Thermoskanne bis zum Anschlag.

Klar zum Auslaufen, alles super, auf Wiedersehen Texel. Unser Kurs war durch den Wind vorgegeben. Nach Den Oever zu fahren wäre es ein gegen an bolzen geworden. So ging es auf dem längeren Törn Richtung Kornwerderzand zu den Lorentzsluisen.

In der Hafenausfahrt lag ein Frachtschiff mit mitlaufendem Motoren und wurde gerade entladen. Dieser Kahn schaufelte eine extreme Welle vor der Corina. Bis zu den Ansteuerungstonnen hatten wir die Wellen gegen an.

Anschließend nach der Kursänderung segelten wir nur mit dem Focksegel nach Kornwerderzand. Das Wattenmeer zeigte uns eine neue Seite. Bisher hatten wir überwiegend ruhiges Wasser. Heute ging es richtig zur Sache. Die Wellenhöhe war für uns neu.

Hinzu kam bei mir ein gefühlter Unsicherheitsfaktor. Mache ich alles richtig? Warum sind keine weiteren Boote unterwegs? Wo sind die Fischerboote? Der Skipper der Corina war schon sehr angespannt.

Das Wetter passte, die Windrichtung passte, die Strömung stimmte. Alles OK. Bärbel reich mal den Kaffee rüber! Frühstück unterwegs. Die Anspannung löste sich. Es ist kein Wochenende, es ist kein Sommer und noch zu kalt. Was sollen andere Segler hier? Auf Texel lagen vielleicht 20 Boote.

Mit manchmal 8,8 Knoten rauschten wir nach Kornwerderzand. Die Welt gehörte uns allein. Es war schön, ja es war 4 und meist auch 5 Bft. Um 9 Uhr 52 erreichten wir die Schleuse. Immer noch allein. Weit und breit war kein weiteres Schiff zu sehen.


 

Die Ampeln der Lorentzsluisen zeigten rot.         

Wir gingen erst einmal davon aus: das unsere Wartezeit länger dauern wird. Wie schon gesagt, oben muss der Autoverkehr auf der Autobahnähnlichen Straße für uns gesperrt werden.

Da wird der Schleusenmeister sicherlich warten bis das ein oder andere Boot zu uns stößt. Die Herren oben im Turm haben von dort eine hervorragende Aussicht über das Wattenmeer als auch zum Ijsselmeer hin. Wartezeiten sich hier normal. Obwohl auch einzelne Boote geschleust werden.

Die Corina lag mal gerade 10 Minuten fest, da schob sich, wie aus dem Nichts kommend, ein riesiges weißes Flusskreuzfahrer Schiff in die Warteposition vor der Schleuse.

Mit seiner Länge von über 100 Meter wühlte es das Wasser im Vorhafen auf um seine exakte Einfahrtsposition vor der Großen rechten Schleuse einzunehmen. Unsere Corina tanzte wieder am Wachtsteiger.

Wenn der geschleust wird, nehmen die uns mit Sicherheit mit sagte ich zur Bärbel. Lass uns losmachen. Bei den hohen Aufbauten auf dem Kreuzer müssen die Drehbrücken ja geöffnet werden. Der Versuch uns hinter dem Fahrgastschiff zu halten scheiterte im Ansatz. Das wird nichts, wir werden wohl die linke Kammer nehmen müssen. Der Kreuzer schaufelte uns Wassermassen entgegen die fast mit Wildwasser 3 zu bezeichnen waren.

Für uns signalisierte die linke Schleuse mit der nun grünen Ampel: wir nehmen euch mit. Die Tore öffneten sich. Die Corina lief ein. Ohne Stress legten wir unser Schiffchen an die Leine. Der „Große“ nebenan lag immer noch nicht fest. Hinweise über Lautsprecher vom Schleusenwärter bezog ich auf Einweisungshilfe für den „Großen“.

Dann aber verstand ich, Bärbel wiederholte es zur Verdeutlichung: „Das deutsche Segelboot, machen sie bitte ihr Funkgerät aus“ schallte es über der gesamten Anlage.

Ich hatte im Vorhafen den Schleusenwärter über Marifoon-Kanal (UKW) 18 erreichen wollen, die Funke dann irgendwie gerastet und beiseitegelegt, wurde durch die Begegnung mit dem Flussdampfer aber abgelenkt. Da haben die „Oben“ sicherlich alles mitgehört und geschmunzelt. Oder einen Störfaktor mit Rückkopplung erlebt.


Nach wenigen Minuten waren wir wieder auf dem Ijsselmeer. Der doch stärker gewordene Wind jetzt aus Süd, verdeutlichte uns, dass es nichts werden wird, mit mal eben nach Stavoren segeln. Das Ijsselmeer schaufelte uns recht hohe Wellen vor den Bug.

Es war recht bockig auf den kurzen Weg bis Makkum. Und doch begegneten uns heute und hier die ersten Segelboote des Tages die alle zur Schleuse wollten und sicher in unsere eben verlassene Kammer gingen. Das Wetter passte ja für Harlingen, Vlieland und Terschelling.

Unser Ziel war nun die Schleuse in Makkum. Wir wurden recht schnell versetzt und waren das einzige Boot. In der relativ kleinen Schleuse kommt von oben oftmals eine Aufforderung, nur noch ein wenig vorwärts zu fahren damit die Brücke geschlossen werden kann.

Manchmal sind es nur wenige cm die die zum Einrasten der Brücke fehlen. Wenige Meter weiter muss die nächste Brücke für uns geöffnet werden. Dann geht es 400 Meter bis zur nächsten Extreme.

Vor der Brücke liegen auf beiden Seiten immer mehrere Boote. Die wenigsten Eigner haben dort ihre Fender außen hängen. Brauchen sie auch nicht. Denn vorher scheppert es oben im Geäst der weit überhängenden Bäume.

Dein Windanzeiger oben in der Mastspitze kannst du anschließend vergessen. Du musst als Skipper dein Schiff auf einer unmöglichen Warteposition halten. Bei dem starken Wind aus Süd war das heute nicht einfach. Man wartet und wartet und flucht.

Zum Anmeldeknöpfchen am Wachtsteiger konnten wir nicht vordringen. „Die Bäume verhinderten das heranfahren“. Die Zeit rennt, weil man weiß das der Brückenwart in Parrega um die Mittagszeit eine Stunde Pause macht. Bis Lemmer kann es dann noch sehr weit werden.

Egal ob als Motorboot oder als Segler, es sind Binnen 11 bis 12 Brücken bis Lemmer die geöffnet werden müssen. In Lemmer gibt es noch dann weitere 3.

Eisenbahnbrücken sind ein besonderes Leckerli in Friesland. Dort sind feste Brückenzeiten einzuhalten oder du wartest bis der Arzt kommt. Solch eine lag auch auf unserer Strecke bei Workum. Im Normalfall rausch der Bummelzug durch, die Brücke dreht sich und gibt die Durchfahrt in beiden Richtungen frei. Das wird durch die Ampelanlage geregelt.

Hier an dem Wachtsteiger lag ein Schiff der braunen Flotte. Zwei weitere Motorboote dümpelten mit Hilfe ihres Bugstrahlruders in der Warteposition und lauerten auf die bevorstehende Öffnung. Das Signal zeigte grün und der „Flottenkapitain“ löste erst jetzt mit Hilfe seiner Frau die Leinen.

Die Motorbootfahrer rauschen davon. Wir hätten ebenfalls durchrutschen können. Meine „ Holde Kapitante“ flüsterte etwas lauter, nur für mich: das kannst du doch nicht machen, der hat Vorfahrt, er war ja auch eher hier, wir müssen den erst durchlassen!

Jou, Mäuschen, machen wir. Der Flottenkapitain richtete seinen Kahn aus; „das war sicherlich nicht einfach bei dem Wind“ und wollte gerade Gas geben.  Die Ampel, - „die Holländer sagen Verkehrslicht“, also das Verkehrslicht zeigte wieder rot.

Der große Plattbodenkahn musste wieder festmachen. Ich hatte Mitleid, blöder Wind aber auch selber zu tun um die Corina zu halten. In der nächsten Grünphase ließ ich sie laufen und Bärbel nickte wohlwollend. Wir haben uns wieder vertragen.

Ab hier ist es kein reines Kanalschippern mehr und man könnte übers Zandmeer, Groote Gaastmeer, De Fluesen bis ins Heegermeer segeln, bei passendem Wind. Unser Ziel: war Lemmer schnell zu erreichen. Die Lust war weg. In Lemmer laufen unsere Nachbarn im T-Shirt durchs Gelände, genau das wollten wir auch.

Der Temperaturunterschied war echt und besonders nach dem Anlegen in unserem Hafen spürbar, wir konnten den Genever und das Bier im T-Shirt schlürfen. Den harten Wind spürten wir in Lemmer Binnen natürlich auch nicht mehr.

Wir waren wieder zu Hause.


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