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Erster großer Törn übers IJsselmeer.

Törnbericht  Lemmer – Stavoren – Makkum –Lemmer.

Am 04.08.2009 um 11 Uhr war es soweit. Die erste große Fahrt übers IJsselmeer begann. Schon am Vortag sagte der Wetterbericht moderaten Wind mit 3 Beauforts voraus.

Bärbel hatte alles Nötige und Unnötige an Bord verstaut. Unser Kühlschrank lief auf hoch touren.  So konnten nicht nur Wurst und Käse, sondern auch die brauwasserhaltigen Getränke auf entsprechende Temperaturen gebracht werden.

Selbst die Betten waren schon gemacht. Sozusagen  war alles gut verstaut.  Ohne Hilfe von Bärbel hätte ich nur die Hälfte  wiedergefunden. Es war auch unterwegs ein leichtes, Bärbel zu beauftragen, selbst wenn nur Bändel gebraucht wurden. Von diversen Getränken und Knabberzeug ganz zu schweigen. Sie weiß immer alles Das klappt übrigens auch immer hervorragend, bei meinen Heimwerker-bastel und Bautätigkeiten .

Eine Frau braucht Verantwortung.

Das Schiff war eben aufgeräumt. Meine Aufgabe bestand derweil, Benzin als Vorrat in 3 Kanistern zu verstauen und dabei das rauchen zu unterlassen. Zigaretten waren natürlich ein wichtiger Bestandteil unserer Ausrüstung. Natürlich in Sparausführung, also die, die selber gedreht werden. Wie oft schon haben wir beschlossen; an Bord wird nicht mehr geraucht.  Es gibt aber immer tolle Gründe eine zu paffen. -Weil Wind da ist, weil kein Wind weht, weil die Segel so schön stehen. Weil die Wellen zu doof  kommen, weil segeln so schön ist und viele mehr.-Natürlich haben wir uns für drei Tage beim Hafenmeister abgemeldet. Wir wollten schließlich beim heimkommen unsere Box leer vorfinden. Aus Erfahrung wird man klug. Es zeugt doch von eigener Dummheit vor verschlossener Tür zu stehen. Oder wie bekomme ich ein fremdes Boot aus unserer Box, dessen Skipper in Lemmer auf Tour geht.

Catrine unsere Nachbarin mit Segelerfahrung, auch in der Karibik zu Hause, lud uns während der Abfahrt zum Fotoshouting. Bemüht eine gute Figur und  wirklich gar nichts Falsch zu machen, lief alles Fehlerfrei.  Die Kamera klickte viele Male und es waren die ersten Fotos, die uns gemeinsam an Bord ablichteten. Die Begleitung unserer Freundin folgte querab mit dem Fahrrad bis in die große Schleuse. Das ihr euch das zutraut, ihr macht alles richtig. Ihren Argusaugen entging nichts. Sie war von uns begeistert.

  

Die Schleusung lag hinter uns. Mit etwa 20 Booten im Pulk liefen wir ins IJsselmeer. In die große Lemmerbucht.

Boot schön in den Wind drehen und gekonnt die Segel setzen. Die Mit halben Wind nahmen wir Fahrt auf. Wir waren frei. Und wir haben es gut gemacht. Hat doch gut geklappt; ist schon Standartsatz bei uns Beiden und wir sind immer ein bisschen stolz auf uns.

Ich muss vorausschicken das ich nie eine Segelschule besucht habe und das dass Segelkauderwelsch, das schon seine Berechtigung hat, erst langsam in meinem Grosshirn seinen Platz findet. Im April erst hatten wir unser gebraucht gekauftes Boot zu Wasser gelassen und meine ersten zaghaften Versuche mit der neuen Materie waren viel versprechend.

Bei uns heißen die Kommandos noch: Mäuschen zieh mal die Fock etwas strammer oder fier etwas auf. Wobei schon vermehrt seemännische Ausdrücke verwendet werden.

Bärbel versteht bedingt durch die Toilettenlektüre schon einige segelspezifische „Befehle“. Früher lagen nur Kreutzworträtsel im Bad. Heute lasse ich bewusst und unbewusst, weil ich oftmals zu faul bin meine Lektüre wieder wegzuräumen, diese spannenden Bildungswerke im Bad liegen.

Bad ist ein etwas großkotzige Ausdruck. Wir haben gar keines. Unser Zuhause ist seit 3 Jahren ein von uns ausgebautes Mobilheim auf dem Gemeindecampingplatz in Lemmer. Hier verbringen wir den ganzen Sommer. Der Yachthaven liegt auf der anderen Strassenseite. Die beschriebene Toilette ist natürlich vorhanden.

Aber wieder zurück zum segeln.

Der Wind war doof, wir mussten  kreuzen und brauchten doch viel Zeit um die Lemmerbucht zu verlassen. Da ging wieder die eine oder andere Kippe über die Lunge. Immer wenn wir zurückschauten war Lemmer noch zum greifen nah. Ganz langsam näherten wir uns der nächsten Bogenminute. So konnte ich die Fragen; wie weit wir schon sind, an Hand der mitgeführten Karte und des GPS mit einem Fingerzeig zum Rand des IJsselmeer beantworten.

Wenn Bärbel die Pinne übernahm genügte der Hinweis versuch mal die Null oder die 27 zu halten. Das macht sie ausgezeichnet. Die Null ist  auf meinen alten Fliegerkompass immer schön nach Norden.

Von Koordinaten, Kompasskurs, Deviation, Hypotenuse, Katheden, usw. muss sie nichts wissen. Sie muss schließlich kochen und Einkaufen. Das können Frauen im Gegensatz zu uns Männern schon immer ohne Navigationshilfen. Mein Kompasskurs Daheim hat immer eine Missweisung  über Grolsch oder Warsteiner.

Immer noch gute Fahrt machend verschwand Lemmer langsam am Horizont. Das heißt der Kamin vom Schöpfwerk Woudagemaal wurde kürzer und dünner. Dünner wurde auch der Wind, mit dessen abflauen habe ich gerechnet, nur noch nicht so früh. Nach gut zwei drittel unseres Törns; Ziel war heute Stavoren, legte er sich schlafen. Das IJsselmeer sah aus wie eine Unendlich große blaugraue Folie, die hin und wieder wabberte, wenn ein Motorschiff Wellen verursachte.

   

Der Weg war das Ziel. Unser Suzuki 9,9 unterbrach die Stille und röhrte in einen riesigen Bogen um die Vorgelagerten Untiefen. Es war verführerisch für uns Anfänger die Abkürzung zu nehmen. Irgend wo habe ich aber aufgeschnappt das uns dort die Möven zu Fuß entgegen kommen könnten. Also weg von den Tönnchen. Caterine hat gesagt das dort immer Wind bläst. Sie hatte Recht. Mich interessiert als Flieger die Frage wo soll er denn herkommen. Ich denke durch die Luftdruckunterschiede. Thermisches Hoch, thermisches Tief, auf- und ablandige Winde. Auf jeden Fall ab jetzt Kurs auf das eingedellte Fußballtor.     

So sieht das Pumpwerk aus großer Entfernung nun einmal aus.

Stavoren war also erreicht und wir beschlossen im großen Außenhafen zu bleiben. Auch zweimal schleusen blieb uns erspart. Da es am nächsten Tag weiter nach Makkum gehen sollte.

Bärbel weiß alles, kann alles und wird am ende der Saison jeden friesischen Hafenmeister kennen gelernt haben. Sie war wieder mal zuständig uns anzumelden. Unsere Stella ist nur ein kleines Schiffchen und die Steganlagen waren hier sehr hoch. Es waren akrobatische Höchstleistungen gefordert um den Steg zu erklimmen. Hoch waren auch die Liegeplatzgebühren, die unser Bordkasse mit 16 Euro belasteten. Stavoren ist doof und teuer.

War mal wieder ein Grund „Eine“ zu rauchen. Vor dem einschlafen schafften wir noch einen Spaziergang ins Zentrum. Anschließend war Geisterstunde angesagt. Sozusagen Handysuche.

Hat sie die Handys nun eingepackt oder nicht? Wir entschieden uns für Nicht. Obwohl, ich hatte da so eine Ahnung. Wahrscheinlich haben meine grauen Zellen mal wieder versagt. Das ganze Schiff wurde durchsucht. Wie abhängig sind wir geworden von diesen Komunikationnskästen? Naja, es geht auch ohne, ohne Fernsehen, ohne Handys, haben wir beschlossen.

Plötzlich klingelte eines dieser gesuchten Geräte die wir doch zu Hause gelassen hatten.  Endlich wieder mit der Welt verbunden, wir konnen wieder teilnehmen. Es ist nun mal ein gutes Gefühl wieder komplett zu sein. Die Enge Schlafhöhle auf unseren kleinen Kreuzer ist eigentlich gedacht für die jüngeren Segler mit Spaßfaktor 5 vor dem einschlafen. Bei mir hakte die Schulter, der Hintern, von anderen Gliedern ganz
zu schweigen.

Jedes mal beim wenden und halsen meiner 95 Kilogramm Masse hatte ich Visionen von größeren Booten. Ich lag auf der Steuerbordseite und meine Rumpfgeschwindigkeit wurde träger und träger.

Ich beschoss, jetzt einzuschlafen. Als Skipper trug ich Verantwortung für meine Crew; „Bärbel und die eine Mücke“, die Stich gegen Koje, trotz Mückennetz mit reiste und ebenfalls Schlafstörungen hatte.

Am nächsten Morgen, wieder strahlender Sonnenschein. Mit lecker Frühstück frischen Brötchen wurden alle nächtlichen Wünsche, Beschlüsse, Flüche und umbau Maßnahmen gecancelt  Haben wir nicht ein schönes Schiffchen? Heute geht es nach  Makkum.

Raus aus dem Hafen. Eine ganz schöne Welle ließ unsere Stella tanzen. Mäuschen! - in den Wind, halt auf das Windrad zu. Welches Windrad? ich seh` keines. Das Groß flatterte vor ihrer Nase und nahm ihr die Sicht.

Momente später  war die Stella wieder komplett. Mit Vollzeug trug sie uns nach Norden.

Die ganze Schönheit des segeln berauschte uns. Hätten wir schon viel früher machen sollen!

Gemeinsam Wind und Wellen zu spüren. Bei der Fliegerei war alles auf mich bezogen. Große Erlebnisse konnte ich nur mitteilen und Bärbel war immer in Warteposition auf den Landeplätzen. Segeln ist geil. Das war mal wieder ein Grund eine zu rauchen oder auch zwei.

Einfach weiter rauschen, der Onkel in der Schleuse Kornwerdersand macht die Tür auf, wir rauschen durch und keine Ampel, kein Stau kann uns bremsen,- bis Amerika - „Träumer“!

Es ist noch gar nicht lange her, da quittierten wir solche Fotos; meist als unendliche Diaschauen erlebt, mit einem müden lächeln. Heute sind wir dabei und freuen uns diese Dimension erleben zu dürfen.

Gegen 14 Uhr legten wir an den Meldesteiger in Makkum an. Wie groß ist das Schiff? 6,60 Meter! ok, dann nach C 3. Die meisten Boote versperrten uns die Sicht um die entsprechenden  Stegnummern zu erkennen. Bärbel vorne am Bug stehend erspähte dann den uns zugewiesenen Liegeplatz. Beim festmachen sind wir schon wahre Profis. Wieder Küsschen weil es so gut klappte. Frauen brauchen das. Alles Betonstege und verdammt hoch, forderten wieder mal unsere in der Muckibude trainierten  Körper.

Ziel erreicht, n` Grappa n` Grolsch, ne Kippe und ein Küsschen. Uns geht’s gut.

Makkum ist ein Erlebnis für sich. Nach kurzer Stippvisite am Strand; - Surfer, Badende und auch wir erlebten die geballte kraft der Sonne, suchten wir ein schattiges Plätzchen.

   

Seele baumeln lassen war angesagt. Ich genoss eine selten erlebte Aussicht. Hoch über uns flanierten Beine die oftmals irgendwo höher als am Knie endeten. Weibliche Neugier, immer am Rand lang in die Boote schauen, oder was haben wir auf dem Teller? Und wichtig; goedemiddag,- goedemiddag, dag,- ik kom uit Lemmer. Oftmals auch auf Deutsch. Wir bräuchten einen großen Sonnenschirm.

Der Haven war rappelvoll und viele Passanten wurden abgewiesen. Am nächsten Morgen gegen 10 Uhr war abreisen angesagt. In der Nacht haben wir sehr gut geschlafen. Unser mitreisender Passagier ist leider verstorben, hinterließ aber einen blutigen Abschiedsgruß nachdem er unter der Fliegenklatsche einfach sitzen blieb. 

Heute muss der Motor aber wieder ran. Es geht über die Dörfer wieder zurück nach Lemmer. Natürlich mit Zwischenstation im Gaastmeer. 

In der Schleuse Makkum drängelte sich ein sogenanntes Dickschiff „Mobo“ vor. Ich erlebte wieder einmal dass es unter den Wassersportlern doch verschiedene Fraktionen gibt.

Solche provozierende Fahrstiele habe ich schon auf dem Groote Brekken kennen gelernt. Auf dem Princess Magretkanal (eigentlich daneben) schön hoch am Wind, die Segel stehen wie im Bilderbuch, die Tonnen schön Steuerbord lassend, auf genauen Gegenkurs ein dickes Charterschiff; erkennbar an sieben 5 Liter-Dosen Warsteiner im Steuerstand. Wer ist ausweichpflichtig? Natürlich immer der keine Fässchen Bier an Bord hat, ich.

Die weiterfahrt durch Makkum und mehrere Brückenpassagen waren sehr reizvoll. Manchmal konnten wir unseren Motor mit gesetzter Fock die Arbeit erleichtern. Der Betrieb auf dem Wasser war im Gegensatz zum Wochenende spärlich und oftmals waren wir allein.  Am späten Nachmittag erreichten wir „unsere“ Insel im Gaastmeer. Diese haben wir durch Horst, ein alter Fliegerkollege, kennengelernt. Der Besuch bei ihm im Kogeplaett mit stürmischer Anreise ist aber ein Törnbericht für sich. Dort zeigte sich das dass Slotermeer, das Heegermeer und das Fluessenermeer nicht „ohne“ sind. Es war recht bockig.

Wir hängten unsere Badeleiter an den Anleger. Das ist bei unserem Boot einfacher und gingen schwimmen. Heute sogar mehrmals. Anschließend eine Kelle Frischwasser über den Kopf  und wir waren wieder sauber. Wenn tausende Boote ihre Fäkalien noch ins Wasser lassen, muss man die Brühe nicht unbedingt schlucken. Gestorben ist davon aber bisher noch keiner. Ijsselmeer trinken ist gesünder. Das Wasser erscheint uns sauberer. So verbummelten wir den schönen Nachmittag.

Hafenmeister und Gebühren waren weit weg. Nach und nach gesellten sich weitere Schiffe zu uns, so dass es fast eng wurde. Der Grill, nur einmal zu gebrauchen wurde in gang gesetzt. Mit kaltem Grolsch genossen wir den anschließenden Sonnenuntergang. Nicht zu vergessen, die selbstgedrehten Räucherstäbchen. Es gab viele gute Gründe

                     An solchen Abenden vermisse ich nicht mal die geliebten Berge. Gute Nacht Schatz.

 

Gemütlich bummelten wir am nächsten Tag mal segelnd, mal mit Motor, Richtung Lemmer. An der „Pastorentreppe“ in Woudsend, genau vor derBrücke legten wir die übliche Kaffeepause ein.

Wenn wir hier anlegen sind meistens unsere Zigaretten alle und Bärbel wird neue holen müssen. Spätestens hier wollen wir uns immer das Rauchen  abgewöhnen. Mehrmalige Beschlüsse dass auf dem Schiff nicht mehr geraucht wird wurden gekippt. Über Sloten tuckerten wir langsam heimwärts und erreichten am späten Nachmittag unseren Yachthaven.

Es waren 4 schöne Tage. Für uns der erste größere Törn  mit dem eigenem Schiff. Ein tolles Zusammenspiel mit Bärbel, Stella und Ihren Skipper.

Die nächste Tour steht an. Der Wind bestimmt unser Lied.


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