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 01. Sept. 2011

Auf 6,6 Meter zum Sixthaven.

Wer sich über den Regen der vergangenen Wochen und Monate geärgert hat, dem sei gesagt: Wir hatten den wärmsten April seit 50     Jahren. Der Mai und die ersten Junitage bleiben in fröhlicher Erinnerung.

Heute wurden wir gefragt: "Wie gefällt euch Friesland ?"- "Ein großartiges Land"- "es müsste nur überdacht werden."  So sehr ging uns das unbeständige Wetter "auf dem Sack". Daheim im Ruhrpott kachelte es auch unbeständig, von überfluteten Strassen und abgesoffenen Kellern wurde berichtet. Es erübrigte sich also ans abreisen zu denken.

Wenn morgens kurz nach "sieben oder acht" der Donald und der Ben Wettervogel unseren Aktionsradius beim segeln wieder einmal einschränken, kommentiert Kalle die beiden als Fachidioten, die regelmäßig das Lemmerloch außer acht lassen. Bärbel findet den Donald sowieso sympathischer, weil der nette Kerl die Isobarenkarte und die Großwetterlage mit einbezieht.

Das gibt Hoffnung, man kann planen und vielleicht driftet das Tiefduckgebiet doch noch etwas in die gewünschte Richtung. Das Lemmerloch ist übrigens unser blauer Himmel über Lemmer, der meist schon bei der Anreise von Zwolle aus zu sehen ist, während Ringsherum Wassersäcke den Himmel verdunkeln.

Heute schwafelten Ben und Donald etwas über den zurückkehrenden Sommer. "Es wird heiß werden". Die Spanier schaufeln warme Luft zu uns herüber, um West, aber schwachwindig: "sagten auch Windfinder und Co". Wenn wir heute nicht fahren ist die Saison gelaufen! Einfach raus, wurde beschlossen und die Stella mit den benötigten Fressalien bestückt. Die Frage, wohin, sollte erst nach verlassen der Lemmerbucht geklärt werden.

Es war wirklich T-Shirt Wetter. In Höhe von Rotterdamse Hoek zogen wir in Erwägung, doch den oftmals verschobenen Törn nach Amsterdam anzugehen. Kann, "muss aber nicht", nur die Richtung war vorgegeben. Erst aber einmal musste das 22 Seemeilen entfernte Lelystad erreicht werden. Der Wind trieb mit uns so sein Spielchen. Mal rausche die Stella mit fast fünf, dann wieder bescheiden mit 2,5 Knoten durchs Wasser. "Böen abreiten und Flauten ausgleichen". Wir hatten doch alle Zeit der Welt. Sicher, es fehlte der beständige Wind, richtig segeln geht anders. Hauptsache draußen sagte Bärbel. Die Sonne brannte noch beachtlich an diesen schönen 1. September.

Auf Höhe der Ketelbrug musste der Jockel ran. Flaute, - das IJsselmeer zeigte uns eine grüne Wasseroberfläche. Algen soweit das Auge reichte. Bei dem warmen Wetter vermehren sich diese explosionsartig. An den Houtribsluizen warteten schon zwei Segelboote auf uns. Ohne Wartezeit wurden wir ins Markermeer versetzt. Gegen 19 Uhr machten wir in den schon bekannten Bataviahaven fest. Für diese Tour nach Lelystad haben wir über sieben Stunden gebraucht. Der Hafenmeister glänzte schon durch Abwesenheit. Wir meinen, das der Bataviahaven in der Skala der guten Häfen ganz oben liegt. Zum Hafenmeister und zum Duschen sind es nur wenige Schritte. Lecker Essen und Trinken gibt es gleich nebenan. Ein Kleiner Kiosk liegt auch daneben. Alles mit moderaten Preisen inklusive Internet Zugang für uns 7,50 Euro.

 

Die Sonne am Nächsten Morgen war nur zu erahnen. Dunstig trübes Wetter, "das aber schnell aufklarte", versprach uns wieder einen schönen Tag. Mal wieder draußen, in der Pflicht,  ausgiebig zu Frühstücken, das hat was. Gegen 10:30 Uhr lösten wir die Leinen der Stella und stellten ihren Bug in Richtung Amsterdam. Auf der Backbordseite zog eine der schönsten Holländischen Landschaften: das Natur-Schutzgebiet "Oostvaadersplassen" vorbei.

                

Von der Wasserseite natürlich nicht zu erahnen und eher langweilig, eintönig anzusehen.

Der Wind trieb wieder das gleiche Spielchen wie am gestrigen Tag. Irgendwann auf der Höhe von Almere half uns der Motor die Flauten zu überwinden. Ab und an zeigte uns die Stella nun doch, das sie sich hervorragend segeln lässt. Ab Pampus blies der Wind einen flotten dreier, zur Freude der Crew. Zügig rauschen wir bis zu Höhe Durgendam. Unser Ziel: der Sixthaven, jetzt vorgegeben, war nicht mehr weit. Die vielen Stunden auf der Stella schlauchen doch sehr. Segeln wollten wir nicht in diesen unbekannten Revier, also Tuch einpacken und mit dem Motor Neuland entdecken.

Buiten-IJ und Het-IJ heißt nun das Wasser auf dem unser Schiffchen schwimmt. Viel Verkehr auf dem Wasser und dadurch hohe Wellen, die aber überwiegend von Motorbooten verursacht wurden, zwangen uns zur Rundumsicht. Am Wachtsteiger der Schellingwoudebrug durften wir nach Anfrage an einem größeren Segler festmachen. Die Brücke öffnet erst um 18 Uhr, das heißt noch eine halbe Stunde die quietschenden Fender zwischen unseren Booten, "verursacht durch den Schwall", zu ertragen. Hier lagen mittlerweile über 20 Boote. Oben auf der Brücke staute sich der Verkehr. Die niedergehenden Schlagbäume signalisierten uns die bevorstende Brückenöffnung . Für die zuschauenden  Verkehrsteilnehmer "oben" ist es sicher interessant zu zusehen, wenn die Freizeitskipper alle auf einmal durchs Nadelöhr  wollen.

Wenige 100 Meter weiter fuhren wir in eine der geöffneten Kammern der Oranjesluizen. Die Anlage beinhaltet 3 große Schleusen Nebeneinander. Unweit davon ist die über 200 Meter lange Willem-Alexandersluis in Betrieb. Da heißt es für uns Freizeitskipper vorausschauend zu denken und auch so zu fahren. Zumal sehr viele Schnellfähren "die beide Stadtteile verbinden", zusätzlich das Fahrwasser kreuzen. Alle fünf Minuten legt so ein "Gerät" ab, Tag und Nacht. Zwei Seemeilen noch: "sagte ich zu Bärbel", wir sind dann am Ziel. Ich hab auch keine Lust mehr und brauch ein Grolsch und ein Schnaps antwortete sie schleppend.

Beim einlaufen in den Haven begrüßte uns der Hafenmeister und wies uns, "nach dem wir unseren Aufenthalt auf Sonntag datierten" eine Logenplatz zu. Später, schachtelte der Gute noch 4 Boote in unsere Lücke. Er sprach ein hervorragendes Deutsch und Bärbel kürte in zum besten Havenmeester von ganz Holland. Wir waren im Sixthaven "mitten in Amsterdam".

Zwei Tage All inklusive, einschließlich superschnelles Internet für 18 Euro


"Heißer Samstag morgen in der Weltstadt mit Herz". Ziehen wir die Westen über oder laufen wir nur mit nur im T-Shirt, eventuell noch in kurzen Hosen durch Amsterdam? Du wirst auf jeden Fall als Tourist zu erkennen sein, egal was du auch anziehst, sagte Bärbel "dabei meine verbeulte Kluft kritisch betrachtend". Die Holländer sehen alle so aus, entgegnete ich.

Um die Fährverbindung zur Zentralstation zu erreichen  werden  nur wenige Minuten benötigt.  Der Weg dorthin führt über die Schleusentore der Willemsluizen des Amsterdamkanal, "Noordhollandskanaal". Digitale Signaltafeln zeigten uns schon von weiten im Sekundentakt die Abfahrtzeiten der Fähre. Superpünktlich legen diese ab und benötigen für die Überfahrt zum Bahnhof nur fünf Minuten. Nachdem wir durch den Bahnhof "Central-Station" gespült wurden, standen wir im Herzen der Stadt. Über Amsterdam muss man nicht viel erzählen. Jeder sieht die Stadt mit anderen Augen. Jeder war schon mal da.                      Wir hatten nach fünf Stunden essen, trinken und Leute begucken vieles gesehen und machten uns auf dem Heimweg. 

Am späten Abend zogen brutale Wärmegewitter über Amsterdam. Es kachelte gewaltig. Für die Abreise am kommenden Morgen wünschten wir uns stabile Zustände. Um den Sicherheitsfaktor zu erhöhen, schleppten wir noch über 20 Liter Benzin von einer 2 Km weit entfernten Tankstelle zur Stella.  Nach Sichtung der Wetterdaten, "Donald und Ben Wettervogel waren weit weg", war der Sonntag die einzige Alternative nach Lemmer zu kommen, "ohne eingeweht zu werden".  In der Nacht habe ich schlecht geschlafen. Schaffen wir die 46 Seemeilen an einem Stück? Reicht der Wind ? Reicht der Sprit ? Diesen Unterwegs  nach zu bunkern, war nahezu unmöglich.

Morgens gegen 9 Uhr starteten wir unseren Motor. Der Hafenmeister winkte uns grüßend nach. Vor uns startete ein Motorsegler. Das Wasser der Het-IJ war gähnend leer.  Amsterdam am Sonntag-Morgen: Keine Fähre, keine Schiffe, nur kleine Wellen kräuselten das Wasser. Der vor uns fahrende Motorsegler zog seine Bahn auf der Backbordseite. Von Einhaltung des Rechtsfahrgebot keine Spur. Dem Herdentrieb folgend wollten wir hinterher ziehen, sahen aber frühzeitig, das er von dem einzigen, uns entgegen kommenden Schiff "Wasserschutzpolizei" auf die richtige Seite verwiesen wurde.

Die Schleusen und die Brücke waren im Gegensatz zu Freitag, ein einziger Durchmarsch. Im Buiten-IJ setzten wir die große Genuar und rauschen mit Motorunterstützung Lelystad entgegen.  Nur mit dem Wind von Achtern segelnd, wären die vor uns liegenden 46 Seemeilen heute niemals zu schaffen gewesen. Eigentlich dachten wir daran, den Heimweg Linksherum über "die sogenannte Käseroute". zu machen. Der Wetterbericht sagte aber für die kommende Woche Sturm über Holland voraus, "mit Windstärken 8 und 9, in den Böen bis 11 Bft.". Da auf der Stella eingeweht zu werden mach dann keinen Spass mehr. Das Schiffchen ist dafür einfach zu klein.

"Heute und Gestern beim schreiben über diesen Törn  bestätigten sich diese Voraussagen. Wir haben wirklich diesen Sturm, gepaart mit extremen Niederschlag. Erst ab Freitag ist Wetterbesserung zu erwarten."

Am Bataviahaven rauschten wir vorbei. Die Houtribsluizen nahmen wir ohne Wartezeiten. Mäuschen das packen wir, sprach ich weise, als wir Urk passierten. Die Wellen wurden höher. Ich hatte schon zwei Mal nachgetankt. Reich der Sprit? "Muss !", zur Not segeln wir die restlichen Meilen, kommen dann aber im Dunkeln an. Mit 5,4 Knoten ging es ums  Rotterdamse Hoek. Hier stehen angeblich die höchsten Wellen vom gesamten IJsselmeer.

In der großen Lemmerbucht hatten wir den Wind wieder sauber von Achtern. Lemmer war schon zu erahnen. Aber es zieht sich. Die letzten Tropfen Sprit wurden umgefüllt, mit den fragenden Blick von Bärbel ausgehend: "Reicht's ?" Wir hatten ja noch fast 20 Liter im Reservetank, nur dieser hätte erst angeschlossen werden müssen, dazu den Motor abstellen, die Leitungen umstöpseln, - "mach ich gleich in der Schleuse!"-

Du machst gar nichts, legte mein Mäuschen stimmgewaltig los. Hättest schon längst 'n Umschalter einbauen können, an deinen blöden Fendern breche ich mir die Nägel ab, da kommen jetzt Klammern dran, deine Lichterführung ist nicht funktionsfähig, wieso brennen die Lampen nicht, ach ja! wir haben ja Taschenlampen! Warum sind die Fallen noch nicht umgelegt, zum Cockpit?, wag es ja nicht in der Schleuse umzustöpseln, meinst du ich will dort raus paddeln!  - Zzzzischhhh -, neun Stunden gespeicherter Dampf wurde abgelassen.

Wir lagen zur zweit in der Prinses Magrietsluis, vor mir ein Holländer zu dem ich dicht auf schloss, mit den Gedanken ihn anzusprechen und um wenige Meter Schlepphilfe zu bitten falls unser Motor, der schon verdächtig hustete, aus ging. Zum Glück öffnete die Brücke, ich gab herzhaft Vollgas und erreichte den Wachtsteiger. Erst jetzt ist mir aufgefallen: ich habe die letzten Minuten nicht gesprochen. Die "Alte" hatte ja recht. Ach ja, - Geiz hat sie mir auch noch vorgeworfen. Der Motor lief wieder wie am Schnürchen. "Mädchen wir sind zu Hause". - Habe ich die Stella oder die Bärbel gemeint?- Pardon! Bärbel ist ja das Mäuschen, aber wenn sie mir die rote Karte zeigt, die sie auch noch als knallrot bezeichnet, - dann sagt man schon mal Mädchen.

Ich geh' jetzt das Schiff nachrüsten, Klammern für die Fender kaufen und... - oder erst Morgen!

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